Donnerstag, 23. Juni 2016

Ghana

Ihr lieben, so schnell habe ich mich noch nie wieder bei euch gemeldet, aber seit Sonntag bin ich aus Ghana zurück und da die Eindrücke jetzt noch am Frischesten sind, schreibe ich euch gleich.


Ob wir überhaupt nach Ghana kommen stand bis zum letzten Moment noch auf der Kippe: ich hatte mich am Dienstag mit einem mulmigen Gefühl auf nach Lomé gemacht in dem Bewusstsein, dass die an der ghanaischen Botschaft fürs Visa Verantwortliche eine echte Schreckschraube sei - und das war sie auch. Sowohl von der Frisur her, als auch von ihrer Boshaftigkeit erinnerte sie mich an die Krake aus Arielle. Ich stand da also mit allen Unterlagen für Lottis und mein Visum, alles zehnmal gecheckt und am Vortrag noch übers Telefon bestätigen lassen, dass das alles sei, was wir bräuchten, als sie zu mir meinte, dass sie seit besagtem Dienstag andere Visavorschriften hätten. Ab sofort würden nicht mehr zwei Kontakadressen in Ghana reichen, man bräuche nun auch Einladungsschreiben von diesen bzw. zwei schriftliche Hotelreservierung. Und dass hätte man mir nicht vorher sagen können? "Nein", meinte sie. "Du hättest ja heute Morgen nochmal anrufen können!" und zeigte auf einen Chinesen, der sei schon zum fünften Mal da sei, um sein Visum zu bekommen und der Libanese dort drüben versuche es schon seit zwei Wochen. Auf solch ein Machtdemonstrationsspielchen hatte ich überhaupt keine Lust. Schon mit Horace war es wieder schwierig gewesen überhaupt Urlaub zu bekommen, da hatte ich keine Lust, es mir von ihr verbauen zu lassen. Ich habe mich drei Stunden so mit ihr angelegt, dass ich letztlich beim Botschafter persönlich saß, der mir die Sondergenehmigung gab am Freitag mit den Einladungen zu kommen und direkt die Visa zu erhalten.

Nach weiteren zwei Stunden warten auf einen Stempel wurde ich dann am Freitag mit den Worten entlassen, ob dass denn in Deutschland einfacher sei? Nein, aber da bin ich ja auch froh kein Ausländer zu sein. 

So sind dann also Katha, Janika, Lotti und ich Freitagnachmittag glücklich über die Grenze und ab da sind wir fast ausschließlich freundlichen Ghanaern begegnet. 



Am gespanntesten war ich, wie anders Ghana gegenüber Togo sein würde. Togo ist auf der Liste zu Berechnung des Human Development Index auf Platz 162, Ghana auf Platz  140 bei 188 Ländern. Zum Vergleich: der Benin (welches das Nachbarland im Osten Togos ist) ist auf Platz 166. 

Ich denke, wenn man nur kurz in beiden Ländern ist, fällt einem der Unterschied nicht allzu sehr auf, mein Gastvater meinte, die Straßen seien viel besser, eine Freundin meinte, es sei viel sauberer. Beide hatten sie recht, aber irgendwie war es nicht das entscheidende, was es so anders gemacht hat. Ich fand vor allem das Bewusstsein der Ghanaer für ihr Land bemerkenswert. Zum Beispiel "Buy Ghana, build Ghana", klar, mit jedem Cedi, den ich ausgebe unterstütze ich den ghanaischen Tourismus und deren Wirtschaft. Oder eben "Keep Ghana clean", während du in Togo noch dazu ermutigt wirst, deinen Müll auf die Straße zu werfen, wird da ganz genau beobachtet, wo du deinen Müll lässt. Außerdem waren die Ghanaer gefühlt viel freundlicher, als es die Togolesen sind. Das lag wahrscheinlich einerseits daran, dass dir dort nicht permanent "Weißer, Weißer" hinterher gerufen wird - worauf sie auch sehr stolz sind: "Wir sind ein sehr gastfreundliches Land!" und dass wir in Ghana wieder gar keine Ahnung von Fortbewegung und Unterkunft hatten, wodurch wir permanent fragen mussten und uns permanent geholfen wurde. Zwar hatten wir einen Reiseführer mit Tipps und Preisangaben, aber auch wenn sie noch so detailliert beschrieben hätten, wie man mit einem Trotro fährt, hättest du keine Ahnung gehabt. 

Trotros sind kleine ausgebaute Lieferwagen, die man mit deutschen Linienbussen vergleichen kann. Nur dass Busnummer, Haltestellenanzeigen und Bushaltestellen nicht vorhanden sind. Deshalb fragst du also, an welche Straße du dich stellen musst, versuchst zu verstehen, was die "Schreier", die die Busnummern ersetzen, aus dem Fenster rufen und hältst das Trotro an. Gezahlt werden bis zu 50 Cent und da wir keine Ahnung hatten, haben uns die "Schreier" dann auch immer gesagt, wann wir wieder aussteigen müssen. Natürlich hätte es auch Taxis gegeben, aber das wäre nicht mal halb so spannend gewesen und in Togo gibt es ja ein Glück Motos, die du beliebig heranwinken kannst und die dich überall hinfahren. 



Insgesamt haben wir innerhalb von zehn Tagen fünf Orte in Ghana besucht und uns dabei permanent nur an der Küste entlang bewegt. Ghana hat eben sehr viel mehr, als Togo zu bieten und wir wollten möglichst viel sehen. Dadurch haben wir aber auch viel im Auto gesessen. 
Am beeindruckendsten war wohl Accra, wo wir die ersten drei Nächte waren. Nachdem du die togolesisch-ghanaische Grenze überquerst fährst du etwa drei Stunden, vorbei an Meer und Kanälen, in Ghanas Hauptstadt. Schon von weitem sieht man, wie es immer heller wird und riesige, hell beleuchtete und moderne Häuser nach und nach auftauchen. Vorbei an Malls, Autohäusern Fastfoodketten und gut gekleideten Menschen in schicken Autos geht es in die Innenstadt Accras. 
Natürlich stellt Accra nicht den Querschnitt Ghanas dar, hier lebt die Elite, aber Lomé lässt sich nicht mal ansatzweise mit Accra vergleichen. Auf dem Rückweg nach Lomé habe ich festgestellt, dass man schon von weitem aus Ghana heraus das Robinson Hotel sehen kann, was letztes Jahr fertig gestellt wurde und Togos höchstes Gebäude ist. Da man aber sonst nichts sieht, würde man sich als Nicht-Wissender fragen, wer einen solchen Klotz mitten in die Walachei baut. Lomé ist ansonsten komplett flach, nur an einigen Stellen findest du größere Gebäude, die in den 60er Jahren gebaut wurden, als Togo durch die von Frankreich gezählten Gelder etwas mehr Kapital hatte. 
Accra dagegen hat richtigen Großstadtcharakter und wir haben direkt an der Oxford Street, dem Tourismusviertel Accras übernachtet. Permanent gerieten wir ins Staunen: "Guck mal, ein Renovierungsberater!" oder "Das ist ja ein Bastelladen!". Vor allem aber waren es auf einmal wir, die auf das Geld achten mussten und so sind wir am ersten Abend völlig verzweifelt durch die Straßen geirrt, um etwas bezahlbares zum Essen zu finden und haben "Indomie" gefunden. Instantnudeln, die du im restlichen Ghana an jeder Ecke siehst, die alle vorher in Ghana gewesenen in den höchsten Tönen gelobt haben (der Eine hat sogar seinen in Ghana gekauften Welpen danach benannt) und die wir nun für den Rest des Ghanasaufenthalt abgeschrieben hatten, weil sie so ekelhaft zubereitet worden waren.
Ansonsten wären wir in Accra in besagter Oxfordstreet unterwegs, waren in einer Mall, im Club, super lecker indisch Essen, in Jamestown (dem ältesten Viertel Accras), auf dem Makola Market und dem Kaneshy Markt. Auf den Märkten wurden wenige andere Sachen angeboten, ein paar togolesische Sachen gab es nicht und ansonsten konnte man so ziemlich das Gleiche finden.

Am Montag ging es dann weiter nach Busua, einem Surferstrand in Richtung Westen von Accra. Leider hatten wir mit dem Wetter ziemliches Pech, irgendwie ist die Regensaison mittlerweile doch angekommen und die Sonne hat kaum geschienen - schade für den geplanten Strandurlaub. Katha und Lotti haben sich dann trotzdem im Surfen ausprobiert und Janika und ich hatten gar nicht so viel zum Lachen, weil sie sich echt gut angestellt haben. Stattdessen haben wir dann einen langen Strandspaziergang gemacht und abends im Peters Place gegessen: für mich gab es thailändischen Reis mit Erdnusssoße!

Danach ging es nach Cape Three Points, dem südlichsten Punkt Ghanas, wo wir eigentlich gehofft hatten Schildkröten zu sehen. Momentan sei aber keine Schildkrötensaison, zwar konnte man trotzdem ein paar Spuren in Sand sehen, aber mehr auch nicht. Katha wäre am liebsten noch eine Woche geblieben, weil dann die Schildkröten aus ihren Eiern schlüpfen sollten, aber uns anderen konnte sie da nicht so ganz überzeugen. Stattdessen waren wir zwei Nächte da, haben einen langen Spaziergang am Strand entlang und durch die Mangroven zum Leuchtturm gemacht, wo wir für eine ghanaische Dokumentation über Leuchttürme aufgenommen wurden. Dabei wurde mir bewusst, was Togo an Potenzial und Arbeitsplätzen fehlt, weil sie gar keine Branchen, wie Fernsehen und Zeitung haben. 
Ansonsten haben wir ganz viel Zeit im Hotel verbracht, in der Hängematte, auf den Strandliegen, im Meer und mit spielen und essen. 

Am Freitag sind wir dann nach Cape Coast gefahren, also wieder in Richtung Osten hinter Accra. In Cape Coast ist eins der größten Castles von über 60 entlang der Gold Coast, von wo aus vom 15. bis 19. Jahrhundert jährlich 12.000 bis 15.000 Sklaven nach Amerika geschleust wurden. Die Führung durch das Castle war schrecklich. Die Zustände erinnerten an Konzentrationslager des 3. Reichs und obwohl ich als Person nicht für den Sklavenhandel von damals verantwortlich bin, fühlte ich mich als Weiße schuldig. Besonders schlimm war der Besuch des "Todesraums" in welchem Gefangene, die versucht hatten zu fliehen ohne Luftzufuhr, Wasser oder Nahrung sich selbst überlassen wurden. 
Auch die Obamas waren im Juni 2009 dort, um Blumen niederzulegen, weil Michelle Obama meint, dass ihre Vorfahren von der Westküste Afrikas nach Amerika verschleppt wurden.
Am Samstag besuchten wir einen Nationalpark eine Stunde nördlich von Cape Coast, in dem man auf sieben Hängebrücken 40m über dem Erdboden durch den Wald laufen kann. Tatsächlich sollen dort noch über 250 Elefanten leben, aber wir waren zusammen mit einer Schulklasse auf den Brücken und die Chancen irgendein Tier zu sehen waren gleich Null. 

Meine letzte Nacht in Ghana habe ich auf einer wunderschönen Lagune in Ada Foa verbracht, das Hotel lag quasi auf der Landzunge: auf der einen Seite war das Meerwasser, auf der anderen Seite das Lagunenwasser. Abends sind wir mit einem Boot dorthin gefahren und saßen noch lange am Lagerfeuer.

Katha und Janika sind jetzt noch in Ghana und Lotti und ich müssen wieder arbeiten. Wir hatten eine echt schöne Zeit zusammen. Für die sechs Stunden Fahrt bei teilweise nur 200 zu überwindenden Kilometern haben mir teilweise echt die Nerven gefehlt, aber sonst hätte ich nie so viel sehen können. 
Als ich dann am Sonntag wieder über die Grenze nach Togo gekommen bin, dachte ich, es würde sich mehr danach anfühlen nach Hause zu kommen, aber als dann gleich wieder aus allen Ecken "Weißer, Weißer"- Rufe kamen und ich für die kurze Motofahrt den doppelten Preis zahlen sollte, war ich ziemlich enttäuscht. 
In Kpalimé angekommen fühlte ich mich dann aber doch angekommen. Sky und Antoine in ihrer Boutique freuten sich so ehrlich, mich wiederzusehen, die Kinder begrüßten mich so stürmisch und beim Tanzen fragte gefühlt jeder, wie die Reise war, dass man sich einfach  zu Hause fühlen muss. 


Gut gestärkt vom Frühstück ging es los.

Meine Kinder haben noch etwas Angst beim Straße überqueren. 

Erfolgreiches Shopping!

Ich...

Chillen im Café am Park.

Der Leuchtturm in Jamestown, dem ältesten Viertel Accras. 

Stau.

Lotti beim Surfen...

... Janika und ich beim Strandspaziergang.

Und wir alle am Strand.

Auf dem Weg zu Cape Three Point.

Am südlichsten Zipfel Ghanas.

Meine Katha und Janika auf dem Leuchtturm. 

Und meine Lotti beim Chillen. 

Auf den Hängebrücken in der Nähe von Cape Coast.

Der Nationalpark. 

Der letzte Tag in Ada Foa. 

Doreen reist ab.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen