In den ersten drei Wochen nach Ghana ist gar nicht so viel passiert: ich lag mit meiner fünften Malaria krank im Bett, den letzten Arbeitstag versäumte ich damit, aber dadurch, dass die letzten Wochen sowieso nur ein bis drei Kinder da gewesen waren, verpasste ich nicht so viel. Schade daran war eher, dass Katharina fliegen sollte und wir die letzten Tage hatten mit ihr am Strand verbringen wolle. Aber Janika und ich waren krank und schleppten uns dann nur am Freitag nach Lomé, um Katha zum Flughafen zu bringen. Dadurch, dass Katha flog, rückte der eigene Abschied noch viel näher und mich bedrückte das ganz schön: die letzten Wochen wirkten beklemmend kurz.
Dafür hatten wir eine wundervolle Abschiedsfeier und durch ihr Abschiednehmen fing ich auch damit an, wodurch mir der tatsächliche Abschied nicht so schwer fiel - ich war darauf vorbereiteter, genoss jedes Tanztraining, das in den Boutiquen rumsitzen, das zum Schneider gehen, sich abends treffen, einen vollgepackten togolesischen Alltag zu haben mit Dingen, die man machen will und nicht machen muss.
Das erste große Wiedersehen kam noch in Togo, 15 Tage vor meinem Abflug: Dominique kam mich für die letzten zwei Wochen besuchen. Dadurch, dass ihr Flieger vier Stunden Verspätung hatte, waren die Nerven noch gespannter, als sie es sowieso nach einem Jahr des Nicht-Sehens waren und als sie dann endlich da war, habe ich mich unendlich doll gefreut.
Zusammen ging es direkt ins Restaurant, wo die wartende Janika saß und wir bereits bei der Ankunft die Portugiesen über das gewonnene Finale jubeln hörten.
Am Montag ging es noch ein letztes Mal in den Norden zuerst zu Lotti für eine Nacht, um Dominique Sokodé zu zeigen und um mich von Sokodé und vor allem den Kindern zu verabschieden. Wir waren nochmal bei all meinen Lieblingsplätzen Sokodés, aber vor allem der Vormittag bei den Kindern war wieder super schön! Die Kleinen werde ich niemals vergessen und auch in vielen Jahren werde ich mich fragen, was wohl aus Ornella, Sadikoo, Malika und all den Anderen geworden ist.
Danach ging es weiter nach Kara zu den Evalakämpfen: spät am Dienstagabend kamen wir müde am Hotel an und standen vor einem Problem: unsere Hotelreservierung sei ungültig, somit hätten sie keinen Platz mehr für uns und ganz Kara war ausgebucht - unser Problem. Aber man kennt ja jemanden, der jemanden kennt und nach viel telefonieren und verzweifeln hatten wir ein Zimmer auf einem Hof, ohne Einrichtung mit Brunnen, Eimerdusche und Plumpsklo. Dominique wurde voll in das togolesische Leben rein geworfen.
Unter den Evalakämpfen hatte ich mir eigentlich mehr versprochen: in vier Jahrgängen traten 14- bis 17-jährige aus jeweils zwei gegnerischen Dörfern gegeneinander an. Dabei kämpften im Zweikampf pro Runde vier aus jedem Team in einer einminütigen Auseinandersetzung gegeneinander. Der Kampf sah eher etwas lächerlich aus und die "Verletzungen" aufgrund welcher die Kämpfer danach auf Tragen rausgebracht wurden noch viel mehr. Viel beeindruckender fand ich dafür die Stimmung: auf mehreren überdachten Stuhlreihen saß man um die Kampfarena und rundum waren Buden aufgebaut, die an das Volksfest erinnerten, die Leute sahen und wollten gesehen werden und es herrschte eine ausgelassene Festival-/ Schön-Wetter-/ Sommerstimmung. Janika, Dominique und ich waren wirklich begeistert. Vor allem nach den Kämpfen in Piya (dem Geburtsort Faures, dem togolesischen Präsidenten) liefen wir noch eine Weile über das Gelände.
In unserer letzten Nach in Kara kamen noch fünf weitere Volontäre, weshalb es in unserem kleinen Zimmer recht eng, aber gemütlich wurde.
Am Freitag ging es wieder zurück in Richtung Süden. Für Dominique und mich an den Coco Beach und für Janika nach Kpalimé. Dominique war richtig begeistert von dem luxuriösen Bungalowzimmer direkt am Strand und genoss endlich das Gefühl von Urlaub zu haben. Zusammen fuhren wir nach Togoville, also dem Entstehungsort Togos durch die Deutschen. Der Ausflug war super schön: mit der Piroge schippert man über den Lac de Togo auf die Halbinsel und kann dort bequem zu Fuß die Kathedrale und das "ursprüngliche" Togo besichtigen. Gleichzeitig wurden wir wieder so mit den Preisen verarscht und genervt, dass wir einen Guide bräuchten, dass ich wusste, warum ich mich auch wieder auf Deutschland freute. Letztlich begleitete uns ein alter Mann, der uns mit zu einer Beerdigung nahm, wo ich fotografieren sollte, "um es in Europa zu zeigen". Später saßen Dominique und ich noch am Seeufer unter einem Baum und quatschten über all die witzigen Togolesen.
Die letzte Woche verbrachten wir in Kpalimé, gingen nochmal auf den Mont Agou, zum Wasserfall Womé, ins Schwimmbad und ich zeigte Dominique alle anderen für mich wichtigen Plätze Kpalimés. Es war schön jemandem sehr wichtigen zeigen zu können, wie ich dort gelebt habe und jetzt jemanden zu haben, der weiß was oder wen ich meine. Vor allem war es schön, dass Dominique sich so gut mit meinen Freunden verstand und das ohne Französisch.
Beim Tanzen wurde ich unheimlich lieb verabschiedet und auch von meinen Hofbewohnern. Am letzten Abend waren wir nochmal mit einigen Volontären und Freunden aus der Tanzgruppe essen und dann in der Reggae Bar. Es regnete die ganze Nacht, das Wasser auf der Tanzfläche spritzte beim Tanzen und am Sonntagmorgen fiel mir der Abschied aus Kpalimé sehr schwer.
Den Sonntag waren wir noch einmal am Strand: Janika, Dominique, Lotti, Siemke, Fenja, Linn, Philine und ich. Es war ein komisches Zwischenstadion zwischen nicht mehr in meinem togolesischen Zuhause sein und noch nicht in meinem deutschen Zuhause sein, weshalb ich dann trotz all des Abschiedsschmerzes froh war am Montagmorgen in den Flieger nach Addis Abeba steigen zu dürfen.
Und da war ich dann auf einmal wieder: am Berliner Flughafen. Abgeholt von meinen Eltern und zwei Freundinnen. Ein Jahr war einfach vorbei und obwohl so viele Erfahrungen und Veränderungen für mich dazwischen lagen fühlte es sich schnell so an, als ob ich nie weg gewesen wäre. Alles sieht noch so gleich aus, funktioniert noch so gleich, ist noch so gleich, nur ich selber habe mich ein bisschen durch Togo verändert.
Das hier ist mein letzter Blogeintrag. Für diesen und die letzten drei Blogeinträge habe ich nochmal einige Fotos rausgesucht, denn: ein Bild sagt mehr als tausend Worte!
Ich möchte mich bei euch bedanken! Bei allen, die meinen Blog gelesen haben, die mir Feedbacks dazu gegeben haben und mich ermutigten weiter zu schreiben. Vielen Dank! Dadurch wurde mir Raum gegeben meine Erlebnisse und Eindrücke zu teilen und gleichzeitig ist für mich eine wundervolle Erinnerungsmöglichkeit entstanden.
Für mich beginnt nun ein neues Kapitel: das Studium. Ich wurde für den Zwei-Fach-Bachelor Ethnologie und Arabistik in Halle angenommen und werde dort ab Oktober leben.
Nochmal Danke und allerliebste Grüße,
Eure Doreen
Mit Danielle und Nathanael im Waisenheim.
Dieser süße Kinderhaufen.
Wo ist der Mund?
Was hat sie da?
Meine Ornella
Vor den Kämpfen wurde getanzt und sich verkleidet.
Die Kämpfer.
Da hinten saß sogar Faure.
Dominique und ich.
So voll war es da.
Unsere lustige Reisegruppe am Donnerstag.
Und nochmal.
Abends beim Essen. Später lagen wir alle zusammen in unserem Winzzimmer.
Mit der Piroge nach Togoville.
Ein historischer Ort.
Ihr sollt es ja sehen: die Beerdigung.
Sie selber haben aber auch professionelle filmen lassen.
Idyllisch am Ufer...
... mit Dominique.
Endlich Urlaub: am Strand von Lomé.
So viel Pagné auf dem Markt von Kpalimé.
Am Wasserfall Womé.
Ein letztes Mal trommeln. Samsou lebt jetzt auch in Halle.
Gut gelaunt auf den Berg.
Endlich oben.
Das Schwimmbad.
In Action beim Tanzen.
Mein Zertifikat über die Mitgliedschaft der Gruppe N'tifafa - der Friede.
Der verrückte Haufen fehlt mir wirklich.
Mit der Hofbewohnerin Brigitte...
...und ihren Kindern Daniela und Israel...
...und mit Mama Junior und Junior.
Zum Fufu essen bei Janikas Gastfamilie.
Sky, Antoine und ich in deren Boutique.
Ein letztes Mal beim Belgier.
Tschüss mein geliebtes Togo. Bis bald!
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen