Ich sitze vor meinem Zimmer in Sokode. Es ist Abend, 18 Uhr,
gleich ist es dunkel, über mich hinweg ziehen Scharen von Fledermäusen,
auf der anderen Seite des Hofes sitzen die Frauen des Hauses und
kochen: Couscous mit roter Soße und Kokosnussplätzchen, mein Gastbruder,
Emanuel, übt irgendeine Kampfkunst und ich lasse mal wieder von mir
hören.
Vor
zwei Wochen wurde nach einer weiteren anstrengenden
Volleyballfeldbauwoche unsere Arbeit mit kleinen Feierlichkeiten
beendet. Wir sind nicht fertig geworden. Zwar ist der Untergrund fertig,
aber die Betondecke fehlt - und ich wage es zu bezweifeln, dass wir
eine solche hätten bauen können. Am Freitag ließen sich dann aber
alle Präsidenten irgendwelcher Vereine blicken, die etwas mit dem Bau
des Feldes zu tun hatten und hielten vor laufender Kamera reden über
unser Engagement und die tolle Zusammenarbeit. Für uns gab es dann eine
Urkunde, ein Bilderbuch (warum auch immer) und eine Cola zum
Nudelsalat-Sandwich.
Und dann hätte am Montag eigentlich der Sprachkurs anfangen sollen. Die ersten vier Mädels waren bereits am Sonntag in
ihre Gastfamilien gekommen, für alle anderen sollte es etwas später los
gehen, für Lotti und mich zwei Wochen später - eben nach besagtem
Sprachkurs. Aber (und daran muss man sich hier schnell gewöhnen) Pläne
werden nicht geschmiedet, um sie umzusetzen, sondern um sie wieder zu
verwerfen. Und deshalb machten Lotti, Greta, Antoine und ich uns am
Mittwochmorgen um 5 Uhr auf den Weg nach Atakpame und von da aus weiter nach Sokode. Um 13 Uhr kamen
wir an. 8h für 300km über Schlaglochstraßen! Nachdem wir uns auf
unserer Fahrt von Lome nach Kpalime über die guten Straßenverhältnisse
gewundert hatten, durften wir nun die "eigentlichen" Straßen Togos
erleben. Danach war jedenfalls wirklich alles einmal durch geschüttelt -
aber die Achse hatte gehalten. Antoine und Greta fuhren dann noch ein
Stück weiter in den Norden nach Kara und Lotti und ich wurden von
unserem "Chauffeur" abgeholt und zur Gastfamilie gebracht. Unser
Gastbruder stellte sich vor und zeigte uns unsere Zimmer, irgendwann kam
dann auch unser Gastvater, Kossi und eine Frau brachte Laken. Später
stellte sich heraus, dass sie unsere Gastmutter, Atoi, ist. Und dann
waren da noch mindestens zehn weitere Leute von denen wir immer noch
nicht genau wissen, wer das ist, geschweige denn, dass wir es von all
den anderen Leuten wüssten, die hier jeden Tag kommen und gehen.
Togolesische Verwandtschfts-, Oderwasauchimmer-Verhältnisse sind eben
schwer zu durchschauen. Das macht es auch schwierig sich in das
Familienleben zu integrieren. Wir unterhalten uns mit ihnen oder dürfen
beim Kochen helfen, aber essen tun wir dann doch nur zu zweit.
Am Freitag zeigte
uns dann Antoine Sokode. Sokode ist die zweitgrößte Stadt Togos und
liegt in der Region "Centrale", damit sind wir zwar jetzt zentral in
Togo, aber das eigentliche Zentrum liegt im Süden um Lome und Kpalime
rum. Hier bei uns im Norden ist es jetzt schon wesentlich ärmer: es gibt
nur noch eine Regenzeit, damit nur einen Ernteertrag und alles ist
weniger auf den westlichen Tourismus ausgelegt: keine Restaurants mit
westlichem Essen, wenige Bars, kein Schwimmbad, keinen Laden mit
westlichen Hygienartikeln und Nahrungsmitteln. Alles andere gibt es aber
trotzdem: Märkte, Internetcafes, Krankenhäuser, Apotheken und in dem
ein oder anderen Laden findet man sogar Nivea-Deos oder Prinngles-Chips
oder auch thailändische Schokokekse. Hoch lebe die Globalisierung! Und
Sokode ist sehr viel weitläufiger: wir laufen überall mindestens 30min
hin, über rote Sandstraßen oder gut geteerte Asphaltstraßen vorbei an
vielen kleinen Händlern mit Obst oder Frittiertem.
Tja, und dann hätte es am Montag auch
schon ins Projekt gehen sollen. In das Waisenheim Mond'action. Nach
unzähligen Diskussionen und Erinnerungen mit und für Horace in dem es um
meine fehlenden Sprachkenntnisse und die weltwärts-Förderung ging.
Aber
nochmal langsam: Ich hatte mich für das Projekt im Waisenheim beworben,
hatte aber stattdessen das Projekt bei Campagne des Hommes (CdH) also
direkt bei der Partnerorganisation bekommen - einen Bürojob. Horace
Reaktion dann zu meinen fehlenden Sprachkenntnissen: "Fuck, fuck, fuck".
Das verprach schon mal einen super Start mit Horace (dem Chef von CdH).
Ich sollte also im Kindergarten arbeiten, blöd nur, dass das Projekt
nicht durch die weltwärts-Förderung unterstützt wird. Also ging die
Diskussion los, ob ich nicht mit Lotti nach Sokode gehen könnte. Und, um
es abzukürzen, obwohl Horace sich lange Zeit nicht direkt dazu geäußert
hat, bin ich jetzt hier!
Am Montag hätte es also los gehen können, hätte ich am Samstag nicht Fieber bekommen und am Sonntag bestätigt
bekommen, dass ich Malaria habe. Alles halb so wild, ich hatte ziemlich
hohes Fieber, starke Kopfschmerzen und Gliederschmerzen, aber das war
es auch schon, am Mittwoch ging es auch für mich los. Trotzdem: nach fünf Wochen das erste Mal Malaria. Super Quote!
Im
Projekt arbeite ich nun mit elf 2- bis 3-jährigen zusammen. Spielen,
Singen, Essen gehen, der Gruppentoilettengang, trösten, Streit
schlichten gehören zu meinen Aufgaben ab 7:30 bis 12 Uhr zu
meinen Aufgaben und dass mit meinen immer noch kargen
Französischkenntnissen. Aber wenigstens sprechen sie Französisch und
nicht Kotokoli, der hiesigen Regionalsprache. Es macht super viel Spaß
und erfüllt das schöne Klischeebild: lauter kleine, süße Schokobabys.
Aber ist auch sehr anstrengend, vor allem, wenn schon wieder jemand
eingepullert hat oder sich das Essen über das Kleid schüttelt. So
romantisch ist die Aufgabe also auch nicht. Trotzdem freue ich mich
morgens in das Projekt zu kommen und von begeisterten "Bonjour,
Tata"-Rufen begrüßt zu werden.
Nachmittags
haben wir jetzt für zwei Wochen doch noch einen Sprachkurs. Kotokoli
ist eine von über 40 Stammessprachen und ist wohl ein Dialekt von
Kabiye, was auch Amtsprache ist. Es ist ganz spannend einen Einblick zu
bekommen, teilweise erinnert es mich an Thai, wegen der ganzen nasalen
Laute. Eigentlich bringt es mir aber nicht allzu viel, weil ich momentan
echt eher am Französisch lernen interessiert bin. Ein paar Grußformeln
können ja aber trotzdem nicht schaden.
In einer Woche werden wir dann auch nachmittags im Waisenheim arbeiten und damit in unserem togolesischen Alltag stecken.
Noch ein kleiner Bildnachtrag von unserem Ausflug zum Wasserfall.
Auf dem Weg zum Waisenheim.
Hier findet montags immer der kleine Markt statt.
Das Haus unserer Gastfamilie.
Der Innenhof unserer Gastfamilie. Links kaemen Lottis und mein Zimmer, am rechten Bildrand ist das Wohnhaus und das kleine graue Gebauede ist die Kueche.
Mein Zimmer.
Atoi beim Tomatensuppe machen.
Und ich beim Koliko frittieren.








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