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Seit
über sechs Wochen bin ich nun schon in Sokodé. Und der angekündigte
Alltag ist noch nicht so ganz eingetreten und es würde wahrscheinlich
auch ein bisschen dauern bis ich mich daran gewöhnt habe.
Die
ersten zwei Wochen waren Lotti und ich nur vormittags für viereinhalb
Stunden im Kinderheim. Da geht es mit dem Frühstück für meine Gruppe los
(sie trinken irgendeinen Brei) und dem Gruppentöpfchengang weiter, dass
sie sich gegenseitig die Töpfchen über den Kopf kippen und ihre Pipi
trinken ist daran noch nicht das Schlimmste. Danach gehen wir in den
Gruppenraum, üben Zahlen und Tiernamen, lesen, spielen, singen, manchmal
gehen wir vormittags auf den Spielplatz, mittwochs durch Sokodé
spazieren und dann kommt wieder der Gruppentöpfchengang und das
Mittagessen. Die Arbeit mit den Kindern ist wirklich anstrengend, weil
sie daran gewöhnt sind nur dann zu hören, wenn man sie schlägt oder
ihnen zumindest damit droht. Mir tanzen sie viel auf der Nase rum und
mein Französischvokabular umfasst eine Vielzahl an Ausrufen, wie "Hör
auf!", "Man beißt nicht!", "Man haut nicht!" und was eben noch so
anfällt. Andererseits ist es total süß, wie begeistert sie von allem
sind, was man ihnen zeigt. Ich habe ihnen ein Lied beigebracht, sie
lieben "Hoppe, Hoppe Reiter" und genießen es auch einfach auf den Schoß
oder an die Hand genommen zu werden. Vor allem Sadikoo knutscht mich
gerne ab, Arle schläft gerne mal in meinem Arm ein und wenn ich sie am
Wochenende nicht sehe, freue ich mich sie am Montag wiederzusehen.
Um 12 Uhr ist dann ihr Mittagsschlaf und Lotti und ich gehen nach Hause, um Mittag zu essen und uns ein bisschen auszuruhen.
Die ersten zwei Wochen hatten wir dann ab 15 Uhr den
Kotokolikurs für zwei Stunden. Kotokoli ist wieder so ganz anders, als
bekannte Sprachen. Es gibt mehrere Tonhöhen und einige andere Buchstaben
und dann ist ich aber vor allem interessant, wie sie angewandt wird.
Zum Beispiel wünschen sie sich ganz viel: gute Arbeit / Ankunft / Pause,
guten Verkauf, gutes Kochen oder auch einfach: "Komm wieder!". Viel
lustiger ist aber die Begrüßung, die läuft dann ungefähr so ab:
"Guten Tag"
"Und zu Hause?"
"Alaafiya"
"Und die Kinder?"
"Alaafiya"
"Und deine Frau?"
"Alaafiya"
"Und die Stadt?"
"Alaafiya"
"Und die Gesundheit?"
"Alaafiya"
Statt
einfach einmal zu fragen, wie es einem geht. "Alaafiya" bedeutet also
so viel wie "gut" und nach dieser kleinen Unterhaltung geht dann
entweder jeder wieder seines Weges oder man fängt an über das
eigentliche Anliegen zu reden. Und wenn wir jetzt auf der Straße "Biya
ni" gefragt werden und mit "Alaafiya" antworten ist die Frage, ob wir
oder die Togolesen sich mehr freuen.
Seit vier Wochen arbeiten wir nun auch nachmittags. Zumindest sollten wir
das, aber so ganz klappt das noch nicht, weil wir hier viel hin und her
rennen müssen um unser Visa zu beantragen. Mit dem wir aufgrund der
Neuerungen ein bisschen Probleme haben.
Nachmittags geht es um 15 Uhr mit
dem gemütlichen Aufstehen der Kinder weiter, duschen, einem
Nachmittagssnack (Joghurt, Obst oder Brot) und dann wieder spielen im
Zimmer und einem kleinen Spaziergang bis zum Abendessen. Manchmal
schauen wir einen Film, meistens hören wir aber Musik und tanzen. Um 17:30 Uhr gehen
wir ziemlich geschafft nach Hause. Über 8km am Tag laufen, permanent
elf Kinder um sich rum haben und die Hitze sind doch recht anstrengend.
Vor allem komme ich aber noch nicht mit dem togolesischen Tagesablauf
zurecht. Es ist eine Sache um sechs Uhr aufstehen zu müssen, aber ab um 4:30 Uhr vier
Hähne auf dem Hof krähen zu hören und unsere Gastmama, die über den Hof
schreit und den Hof kehrt - dass ist etwas anderes. Dafür machen sie
dann während der Mittagshitze stundenlang Pause und gehen abends früh
ins Bett bzw. machen ein Schläfchen bevor sie dann tatsächlich ins Bett
gehen. Aber vielleicht werde ich ja in einem Jahr auch um neun ins Bett
gehen und ab fünf Uhr zu Hause staubsaugen.
Vor zwei Wochen waren wir dann in Lomé. Einerseits für Visaerledigungen,
aber vor allem wegen der Einladung der deutschen Botschaft zum Tag der
deutschen Einheit. In Lomé haben Lotti und ich mal wieder die anderen
Mädels getroffen, waren auf dem Grand Marché, am Strand, haben mal
wieder Pizza gegessen und Käse und Wurst, aber vor allem den Luxus einer
Dusche von oben nach über zwei Monaten genossen! Die Feier an sich war
insgesamt doch etwas komisch. Als ehemalige Kolonialmacht ein großes
Fest zu feiern, bei dem sogar die halbe Straße abgesperrt wird, damit
die dicken deutschen Autos parken können ist vielleicht etwas
unangebracht. Aber es gab sehr leckeres Essen und gute Musik und ich
habe mich mit einigen anderen Freiwilligen von anderen Organisationen
unterhalten, die echt alle in Kpalimé untergebracht sind. Um elf war die
Feier zu Ende (eigentlich sollte es nur von sechs bis acht Uhr gehen)
und wir wurden von Martin, der in der Botschaft arbeitet, noch zu einer
Party von einer Französin mitgenommen. Auch da fast nur Weiße, aber
dafür viele Franzosen, Amis, Spanier und Polen. Dafür, dass wir
innerhalb eines Monats in Sokodé ganze zwölf "Yovo"s gesehen haben, war
das für ein Wochenende eine ganz schön große weiße Parallelgesellschaft
in Togo.
Das
Wochenende insgesamt war richtig schön, wir konnten mit den anderen
Mädels viel quatschen, eine neue Ecke Togos kennenlernen und wir haben
diesmal auch nur siebeneinhalb Stunden für 330 km gebraucht. Unsere
Gastfamilie war ganz begeistert, als wir um halb eins nachts vor der Tür
standen. Sie hatten sich allerdings auch keine Sorgen gemacht, dass wir
eigentlich mittags hatten wiederkommen wollen und abends immer noch
nicht da waren - und wir hatten keine Handynummer von ihnen .
Dienstag waren wir dann wieder i, Projekt. Dort ist nun auch Giselle,
eine französische Krankenschwester. Sie hatte 2011 bis 2013 im Projekt
gearbeitet und ist nun jährlich für zwei Monate wieder da. Sie kümmert
sich um die physische und psychische Gesundheit der Kinder. Viele Kinder
seien wohl traumatisiert, wenn sie in das Heim kommen und bekommen auch
dort nicht genug Aufmerksamkeit. Zum Beispiel hat der anderthalb Monate
alte Daniel ein "kaltes Herz", er guckt einen nicht an, wenn man mit
ihm spricht und lacht nicht. Aus meiner Gruppe sind vier Mädchen etwas
unterernährt, die bekommen jetzt Nahrungsergänzungsmittel. Und auch
sonst bekommen wir durch sie noch etwas mehr Einsicht in die
Projektstrukturen. Vor allem aber ist es interessant, dass die Kinder in
ihrer Anwesenheit nicht geschlagen werden und auch weniger gemeckert
wird.
Und
dann sind jetzt noch Elsa und Pauline aus Bordeaux für zwei Monate im
Projekt. Sie studieren anscheinend etwas in Richtung
"Erziehungswissenschaften" und beobachten die Kinder viel. Zum Beispiel
meinen beide, dass die Kinder zu wenig sprechen würden und recht
gewaltbereit sein. Sie arbeiten jetzt sowohl bei Lotti als auch bei mir
mit in der Gruppe, wodurch ich die Arbeit weniger stressig finde und die
Kinder auch mal erklärt bekommen, warum man nicht haut, statt
geschlagen zu werden, weil sie hauen. Vielleicht wird die Arbeit im Projekt jetzt also ein bisschen entspannter!
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| Meine Gruppe waehrend des Unterrichts am Morgen mit Tata Nathalie. |
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| Beim Spielen im Sandkasten. |
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| Meine suesse Ornella. |
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| Im Gaensemarsch auf unserem Mittwochsspaziergang. |
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| Wenn wir nachmittags wieder ins Projekt kommen. |
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| Der Strand von Lomé am Nachmittag. |
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| Endlich mal wieder Kaese! |
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| Trubel am Busbahnhof in Lomé. |
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| Unser kleines Speckkind Nodia. Leioder ist sie wohnt sie jetzt schon seit einem Monat nicht mehr bei uns zu Hause. |
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| Unsere Gastschwester und Gastmama beim Kokosnussplaetzchen machen. |










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