Samstag, 17. Oktober 2015

Unser Leben in Sokodé

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So ihr Lieben, ich melde mich mal wieder aus dem togolesischen Chaos.
Seit über sechs Wochen bin ich nun schon in Sokodé. Und der angekündigte Alltag ist noch nicht so ganz eingetreten und es würde wahrscheinlich auch ein bisschen dauern bis ich mich daran gewöhnt habe. 

Die ersten zwei Wochen waren Lotti und ich nur vormittags für viereinhalb Stunden im Kinderheim. Da geht es mit dem Frühstück für meine Gruppe los (sie trinken irgendeinen Brei) und dem Gruppentöpfchengang weiter, dass sie sich gegenseitig die Töpfchen über den Kopf kippen und ihre Pipi trinken ist daran noch nicht das Schlimmste. Danach gehen wir in den Gruppenraum, üben Zahlen und Tiernamen, lesen, spielen, singen, manchmal gehen wir vormittags auf den Spielplatz, mittwochs durch Sokodé spazieren und dann kommt wieder der Gruppentöpfchengang und das Mittagessen. Die Arbeit mit den Kindern ist wirklich anstrengend, weil sie daran gewöhnt sind nur dann zu hören, wenn man sie schlägt oder ihnen zumindest damit droht. Mir tanzen sie viel auf der Nase rum und mein Französischvokabular umfasst eine Vielzahl an Ausrufen, wie "Hör auf!", "Man beißt nicht!", "Man haut nicht!" und was eben noch so anfällt. Andererseits ist es total süß, wie begeistert sie von allem sind, was man ihnen zeigt. Ich habe ihnen ein Lied beigebracht, sie lieben "Hoppe, Hoppe Reiter" und genießen es auch einfach auf den Schoß oder an die Hand genommen zu werden. Vor allem Sadikoo knutscht mich gerne ab, Arle schläft gerne mal in meinem Arm ein und wenn ich sie am Wochenende nicht sehe, freue ich mich sie am Montag wiederzusehen.
Um 12 Uhr ist dann ihr Mittagsschlaf und Lotti und ich gehen nach Hause, um Mittag zu essen und uns ein bisschen auszuruhen.

Die ersten zwei Wochen hatten wir dann ab 15 Uhr den Kotokolikurs für zwei Stunden. Kotokoli ist wieder so ganz anders, als bekannte Sprachen. Es gibt mehrere Tonhöhen und einige andere Buchstaben und dann ist ich aber vor allem interessant, wie sie angewandt wird. Zum Beispiel wünschen sie sich ganz viel: gute Arbeit / Ankunft / Pause, guten Verkauf, gutes Kochen oder auch einfach: "Komm wieder!". Viel lustiger ist aber die Begrüßung, die läuft dann ungefähr so ab:
"Guten Tag"
"Und zu Hause?"
"Alaafiya"
"Und die Kinder?"
"Alaafiya"
"Und deine Frau?"
"Alaafiya"
"Und die Stadt?"
"Alaafiya"
"Und die Gesundheit?"
"Alaafiya"
Statt einfach einmal zu fragen, wie es einem geht. "Alaafiya" bedeutet also so viel wie "gut" und nach dieser kleinen Unterhaltung geht dann entweder jeder wieder seines Weges oder man fängt an über das eigentliche Anliegen zu reden. Und wenn wir jetzt auf der Straße "Biya ni" gefragt werden und mit "Alaafiya" antworten ist die Frage, ob wir oder die Togolesen sich mehr freuen.

Seit vier Wochen arbeiten wir nun auch nachmittags. Zumindest sollten wir das, aber so ganz klappt das noch nicht, weil wir hier viel hin und her rennen müssen um unser Visa zu beantragen. Mit dem wir aufgrund der Neuerungen ein bisschen Probleme haben.
Nachmittags geht es um 15 Uhr mit dem gemütlichen Aufstehen der Kinder weiter, duschen, einem Nachmittagssnack (Joghurt, Obst oder Brot) und dann wieder spielen im Zimmer und einem kleinen Spaziergang bis zum Abendessen. Manchmal schauen wir einen Film, meistens hören wir aber Musik und tanzen. Um 17:30 Uhr gehen wir ziemlich geschafft nach Hause. Über 8km am Tag laufen, permanent elf Kinder um sich rum haben und die Hitze sind doch recht anstrengend. Vor allem komme ich aber noch nicht mit dem togolesischen Tagesablauf zurecht. Es ist eine Sache um sechs Uhr aufstehen zu müssen, aber ab um 4:30 Uhr vier Hähne auf dem Hof krähen zu hören und unsere Gastmama, die über den Hof schreit und den Hof kehrt - dass ist etwas anderes. Dafür machen sie dann während der Mittagshitze stundenlang Pause und gehen abends früh ins Bett bzw. machen ein Schläfchen bevor sie dann tatsächlich ins Bett gehen. Aber vielleicht werde ich ja in einem Jahr auch um neun ins Bett gehen und ab fünf Uhr zu Hause staubsaugen.

Vor zwei Wochen waren wir dann in Lomé. Einerseits für Visaerledigungen, aber vor allem wegen der Einladung der deutschen Botschaft zum Tag der deutschen Einheit. In Lomé haben Lotti und ich mal wieder die anderen Mädels getroffen, waren auf dem Grand Marché, am Strand, haben mal wieder Pizza gegessen und Käse und Wurst, aber vor allem den Luxus einer Dusche von oben nach über zwei Monaten genossen! Die Feier an sich war insgesamt doch etwas komisch. Als ehemalige Kolonialmacht ein großes Fest zu feiern, bei dem sogar die halbe Straße abgesperrt wird, damit die dicken deutschen Autos parken können ist vielleicht etwas unangebracht. Aber es gab sehr leckeres Essen und gute Musik und ich habe mich mit einigen anderen Freiwilligen von anderen Organisationen unterhalten, die echt alle in Kpalimé untergebracht sind. Um elf war die Feier zu Ende (eigentlich sollte es nur von sechs bis acht Uhr gehen) und wir wurden von Martin, der in der Botschaft arbeitet, noch zu einer Party von einer Französin mitgenommen. Auch da fast nur Weiße, aber dafür viele Franzosen, Amis, Spanier und Polen. Dafür, dass wir innerhalb eines Monats in Sokodé ganze zwölf "Yovo"s gesehen haben, war das für ein Wochenende eine ganz schön große weiße Parallelgesellschaft in Togo.
Das Wochenende insgesamt war richtig schön, wir konnten mit den anderen Mädels viel quatschen, eine neue Ecke Togos kennenlernen und wir haben diesmal auch nur siebeneinhalb Stunden für 330 km gebraucht. Unsere Gastfamilie war ganz begeistert, als wir um halb eins nachts vor der Tür standen. Sie hatten sich allerdings auch keine Sorgen gemacht, dass wir eigentlich mittags hatten wiederkommen wollen und abends immer noch nicht da waren - und wir hatten keine Handynummer von ihnen . 

Dienstag waren wir dann wieder i, Projekt. Dort ist nun auch Giselle, eine französische Krankenschwester. Sie hatte 2011 bis 2013 im Projekt gearbeitet und ist nun jährlich für zwei Monate wieder da. Sie kümmert sich um die physische und psychische Gesundheit der Kinder. Viele Kinder seien wohl traumatisiert, wenn sie in das Heim kommen und bekommen auch dort nicht genug Aufmerksamkeit. Zum Beispiel hat der anderthalb Monate alte Daniel ein "kaltes Herz", er guckt einen nicht an, wenn man mit ihm spricht und lacht nicht. Aus meiner Gruppe sind vier Mädchen etwas unterernährt, die bekommen jetzt Nahrungsergänzungsmittel. Und auch sonst bekommen wir durch sie noch etwas mehr Einsicht in die Projektstrukturen. Vor allem aber ist es interessant, dass die Kinder in ihrer Anwesenheit nicht geschlagen werden und auch weniger gemeckert wird.
Und dann sind jetzt noch Elsa und Pauline aus Bordeaux für zwei Monate im Projekt. Sie studieren anscheinend etwas in Richtung "Erziehungswissenschaften" und beobachten die Kinder viel. Zum Beispiel meinen beide, dass die Kinder zu wenig sprechen würden und recht gewaltbereit sein. Sie arbeiten jetzt sowohl bei Lotti als auch bei mir mit in der Gruppe, wodurch ich die Arbeit weniger stressig finde und die Kinder auch mal erklärt bekommen, warum man nicht haut, statt geschlagen zu werden, weil sie hauen. Vielleicht wird die Arbeit im Projekt jetzt also ein bisschen entspannter!

Meine Gruppe waehrend des Unterrichts am Morgen mit Tata Nathalie.
Beim Spielen im Sandkasten.
Meine suesse Ornella.
Im Gaensemarsch auf unserem Mittwochsspaziergang.
Wenn wir nachmittags wieder ins Projekt kommen.
Der Strand von Lomé am Nachmittag.
Endlich mal wieder Kaese!

Trubel am Busbahnhof in Lomé.
Unser kleines Speckkind Nodia. Leioder ist sie wohnt sie jetzt schon seit einem Monat nicht mehr bei uns zu Hause.

Unsere Gastschwester und Gastmama beim Kokosnussplaetzchen machen.

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