Mittwoch, 19. August 2015

Der Volleyballfeldbau

Um acht Uhr morgens machen wir uns auf den Weg zum Volleyballplatz. Der Mont Kloto ist in der Ferne noch wolkenverhangen, trotzdem ist es schon schwül und die 30 Minuten über rote, vermüllte Straßen, vorbei an gestapelten Orangen, bunten Stoffen, Hühnern, Ziegen hupenden Motorrädern und Kindern die einem singend "Yowo-Yowo Bonjour" entgegen rufen, lässt die Haut bereits kleben. Im Laufe des Tages wird daraus eine Kruste aus Schweiß, Sonnencreme und Mückenschutz entstehen.
Seit Montag bauen wir an einem neuen Volleyballfeld für die Mannschaft Kpalimes - mehr oder weniger effektiv. Die Show für den Beginn des Baus des Volleyballfeldes war beeindruckend: ein Kameramann hat für das togolesische Fernsehen festgehalten, wie "die Deutschen ihren togolesischen Freunden" beim Bau des neuen Feldes helfen. Wir fingen an die Erde zu lockern und umzugraben, Interviews sollten gegeben und  immer wieder grinsend in die Kamera gestrahlt werden. Dann packte der Kameramann seine Kamera ein, wir legten unsere Werkzeuge beiseite und zwei Ingenieure fingen überhaupt erstmal an das Feld abzumessen. So sah dann auch der Rest der Woche aus. Häufig saßen wir rum, spielten mit den anwesenden Kindern und zwischendurch hackten und gruben wir ein wenig am Feld mit, bis uns wieder die Schaufel aus der Hand genommen wurde: wir seien doch viel zu schwach dafür. Ja, dass sind die europäischen Frauen, wir würden doch alles mit unseren Maschinen machen. Oder aber wir hatten eine Aufgabe, aber die pralle Mittagssonne ließ einen sogar im Schatten sitzend zerfließen unsere Motivation liess also langsam aber sicher nach. Dennoch, das Feld nimmt Gestalt an und der Muskelkater in den Armen lässt einen schließen, dass die Arbeit nicht vollkommen unnütz ist.
Mittags laufen wir von "Yowo-Yowo Bonsoir"-Rufen begleitet wieder zu Horace Haus zurück. Dort gibt es seit unserer Ankunft am mittags und abends immer die gleiche rote Soße. Mal mit mehr oder weniger Gemüse zusammen mit Fleisch, Fisch oder Ei und dazu Nudeln, Reis, Koos Koos, Yam-Wurzel, Pad (Maispampe, die nach gar nichts schmeckt) Bohnen oder Fufu (Yam-Wurzelpampe - ein bisschen geschmackvoller). Abwechslung ist anders, aber immerhin haben wir uns unsere tägliche Ananas erkämpft und der bunte Markt mit seinem Obst, Erdnusstangen und frittierten Teigbaellchen ist ja auch noch da.
Nachmittags geht es dann wieder zum Volleyballfeld und damit zum Volleyballunterricht. Wir haben hier Volleyball gelernt, als ob wir noch nie einen Ball gesehen hätten, aber trotz der Hitze macht es unheimlich viel Spaß. Danach wird noch Fußball gespielt, Handstand geübt oder ein traditionelles togolesisches Spiel beigebracht. Ein paar von uns joggen dann zurück - hin zu unserem deliziösen Abendessen und der wohlverdienten Dusche mit dem Eimer. Von weitem rufen dann schon die Nachbarskinder "Doreen", ein Stück Heimat ist es schon geworden, dieses fremde Togo.
Trotzdem ist vieles noch so anders: das Waschen mit der Hand, bei dem uns die Nachbarskinder helfen. Ob sie es machen, weil es ihnen Spaß macht oder weil wir dabei so hilflos aussehen sei dahin gestellt. Oder die plötzlichen Stromausfälle jeden Tag, bei denen wir dann in der stockfinsteren Bar sitzen und nur ein ab und zu vorbei fahrendes Moped ein wenig Licht spendet. Oder aber der klimatisierte Club mit der togolesischen Musik, in dem die Togolesen vor dem Spiegel tanzen, um sehen zu können, wie sie dabei aussehen. Die Tatsache, dass schon eine Freiwillige mit Parasiten und hohem Fieber im Bett lag, eine andere mit Malaria - nach nur einer Woche Aufenthalt in Togo. Ungewohnt und teilweise etwas beaengstigend.

Am Samstag liefen wir Freiwilligen mit einigen aus der Volleyballmannschaft auf den Mont Kloto, welcher uebersetzt Schildkroetenberg heisst. Es war ein ziemlich anstrengender Aufstieg teilweise durch pralle Sonne, teilweise durch Nieselregen, vobei an Kakaopflanzen und Mangobaeumen. Wir durften viele Fruechte probieren und oben einen herrlichen Ausblick geniessen. Runter fuhren wir mit dem Moto. Lottis und mein Fahrer erzaehlte uns von seinen drei Jobs (Mototaxifahrer, Touristenguide und Barkeeper) und sang mit uns "Mamor, Stein und Eisen bricht". Abends fielen wir alle muede in die Betten.
Am Sonntag ging es aufgrund von Maria Himmelfahrt in das Dorf Wome, wo wir eine Trommel- und Tanzshow besuchten mit Stelzenlaeufern und Feuerspuckern. Es war wirklich beeindruckend und lustig anzusehen, wie fasziniert die Togolesen selbst von der Show waren.
Nachts schliefen wir alle zusammen in einem kleinen Haus auf dem Boden und machten uns am naechsten Tag auf zu einer riesigen Party in einem Cascade -einem Wasserfall. Zu lauter togolesischer Chartmusik wurde getanzt, gequatscht und gegessen. Zurueck oben wurde weiter getanzt -diesmal zu traditioneller Trommelmusik. Es herrschte eine super gute Stimmung!
Zurueck bei Horace haetten wir alle ein wenig Wochenende benoetigt, aber seit gestern stehen wir wieder auf der Wiese und bauen weiter am Volleyballfeld. Nachher geht es zum "dicken Belgier" und damit zu unserem ersten europaeischen Essen seit 18 Tagen.

                                              
Noch total motiviert beim Beginn des Volleyballfeldbaus.

Wir sind die acht Zwerge mit Schneewittchen - eigentlich ist das Posieren mit dem Werkzeug viel spannender.

Oder wir lassen das Bauen gleich bleiben und spielen lieber.

Unsere lieben rufenden Nachbarskinder. Die Faszination voneinander beruht auf Beidseitigkeit.


Total begeistert beim Besuch eines Volleyballspiels. Eigentlich war es wirklich spannend. Kpalime hat aber leider verloren.

 Unser erster Besuch auf dem Markt.

Noch sind wir etwas hilflos beim Waschen, aber Biova hilft uns -und freut sich ueber Pflaster und Kaugummis.


Unsere lustige Runde vor dem Besuch des edelsten Clubs Kpalimes. 


Der suesse kleine Loui, ein Neffe von Horace.

Endlich auf dem Kloto angekommen! So kann man auch nur in Togo rumlaufen.


Der Ausblick vom Mont Kloto. Am Horizont kann man schon Ghana erkennen.



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