Dienstag, 4. August 2015

Erste Eindrücke

Trotz unseres Fluges über Frankfurt und Adis Abeba nach Lome voller fehlender Reisepässe, Flugzeugtickets und Koffer, landete wir neun Freiwillige am Sonntag um 13 Uhr  erstmals glücklich auf togolesischem Boden. 
Horace (der Leiter von unserer Partnerorganisation "Campagne des Hommes") und weitere Schwager und Neffen begrüßten uns herzlich und luden unsere 18 Koffer in und auf einen Kleinbus. Zusammen quetschten wir uns in den PKW und fuhren über gut asphaltierte Straßen in das 120 km entfernte Kpalime. Vorbei an ärmlichen Häusern und schmutzigen Straßen, Männern, die ihre Terrassen neu teerten, Friseuren, die auf offener Straße die Haare ihrer Kunden wuschen, Frauen, die große Körbe auf dem Kopf und Kinder auf dem Rücken trugen und einem Hupkonzert in den Ohren - Ja, vieles von dem Klischeebild "AFRIKA" bestätigte sich auf den ersten Blick.

In Kpalime angekommen, würden wir ganz, ganz lieb von Horace' Familie begrüßt: jeder wollte sich vorstellen und etwas erzählen, es gab Nudeln und Tomatensoße und wir durften unsere Zimmer beziehen.
Hier werden wir nun die ersten vier Wochen wohnen. Bis Freitag findet das Arrival-Camp statt und danach werden wir drei Wochen lang ein Volleyballfeld mit aufbauen. Es ist ganz angenehm zu wissen, dass man noch nicht gleich in die fremde Kultur, Gastfamilie und für mich auch fremde Sprache geworfen wird, sondern erstmal gemeinsam analysiert, was alles "so anders" ist. 

Gestern war dann der erste Einführungstag. Ich bin die Einzige, die wirklich gar kein Französisch spricht. Horace Meinung dazu: "Fuck, fuck, fuck!". Ich bin auch noch die Einzige, die in ein Projekt gesteckt wurde, bei dem Französisch vorausgesetzt wird und bei dem er mein Chef wäre. Scheint ihm bisher nicht so aufgefallen zu sein, jedenfalls hat er mich nun in dem angebundenen Kindergarten untergebracht, da würde meine Unkenntnis nicht so auffallen, die "Kindern können ja auch kein Französisch". Vielleicht qualifiziere ich mich in den nächsten vier Wochen ja doch noch für mein ursprüngliches Projekt. 
Nachmittags ging es zu Togocell, um uns SIM-Karten zu besorgen, es war ein Akt von 5h uns diese zu beschaffen und auch danach war nicht jeder ganz glücklich. 
Dafür war der Heimweg umso spannender, wir mussten uns nur an die Straße stellen und schon kam eine große Menge an Mopedtaxis angefahren, es gab eine große Diskussion um Preis und Verteilung und auf einmal fuhren wir raus in die Nacht hupend und drängelnd, wie alle anderen auch, vor Horace' Haus gab es erneut große Diskussionen um die Bezahlung, bevor wir alle glücklich über unser erstes richtiges togolesisches Erlebnis rein gingen. Dort wurden wir überglücklich und stürmisch von dem kleinen Jean Paul begrüßt und auch Jaques erwartete uns sehnsüchtig - er wollte ja Phase 10 zu Ende spielen. Zusammen haben wir dann gegessen, Jean Paul hat vorgeturnt und Jaques uns ein togolesisches Spiel beigebracht: Phase 10 mit seinen Regeln.

Heute gab es togolesischen Geschichtsunterricht. Laurent erzaehlte uns, wie Togo zu seinem Namen kam. Gustav Nachtigal kam 1884 an der Westkueste Afrikas an und wollte mit dem Vodookoenig sprechen. Als die Einheimischen meinten, er wohne "Toa-go", also drueben auf der anderen Seite des Sees, dachte Nachtigal das Land wuerde Togo heissen. Die Einheimischen, begeistert von diesem Namen, nannten ihr Koenigreich Togoville - und so heisst es auch heute noch.

Und damit liebe Gruesse aus Kpalime.

Wir Freiwilligen im Bus nach Kpalime.

Jean Paul und ich. Ich bin sein chevall, sein Pferd.

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