Das
mit dem Kleingeld ist hier ein echtes Phänomen: wenn du etwas kaufst
und nicht passend zahlst, gucken sie dich an, als ob du in Deutschland
ein Brötchen mit einem 500er-Schein bezahlen möchtest und sie können dir
dann auch nicht rausgeben, ohne vorher riesig rum zu suchen. Teilweise
schon, wenn du ihnen 100 France statt 50 France gibst, also 16 Cent
statt 8 Cent. 10.000er Scheine, also ganze 15,50€ (was hier der größte
Schein ist) wirst du gar nicht los. Lotti und ich fragen uns deshalb, ob
wir einfach noch nicht das Prinzip verstanden haben, schließlich
scheinen wir ja die Einzigen zu sein, die nicht passend zahlen können.
Deshalb
hier die Theorie: unser Gastpapa müsste eigentlich genug Geld
verdienen, sodass unsere Gastmama nicht zu arbeiten bräuchte. Trotzdem
sitzt sie stundenlang da, um "Cocorapelle" zu machen, schlägt Kokosnüsse
auf, raspelt das Fruchtfleisch, knetet Mehl, Zucker, Kokosnussraspeln
und Kokosnussaft, rollt den Teig aus, schneidet und frittiert. Daran
sitzt sie teilweise gut und gerne einen Tag lang und verkauft dann einen
solchen Keks für 25 France. Wir fragen uns echt, wie viel Gewinn sie
damit macht. Manche Wochen sitzt sie hier jeden Tag bis in die Nacht und
frittiert ihre Kekse, ein anderes Mal nur einen einzigen Tag in der
Woche. Manche Wochen braucht sie also besonders viel Kleingeld, ein
anderes Mal nicht so viel und Lotti und ich waren nur noch nicht schlau
genug, uns ein kleines Nebengewerbe auszudenken, mit dem wir Kleingeld
verdienen.
Neben
solch wichtigen Überlegungen haben wir hier aber auch noch andere Dinge
zu tun: die letzten Tage in unseren jeweiligen Gruppen sind gezählt,
bevor wir zum Januar hin wechseln. Die Kinder in meiner Gruppe habe ich
unheimlich lieb gewonnen, man merkt richtig, wie eine enge Beziehung
zwischen ihnen und uns entstanden ist und man bestimmte Verhaltensweisen
von den Kindern kennt: Sadikoo muss beim Essen immer auf einem gelben
Stuhl und Saidoo am Kopfende sitzen, Malika braucht ihre persönliche
Kuscheleinheit, wenn wir nachmittags ins Projekt kommen und die anderen
Kinder auf dem Töpfchen sitzen und Nadja muss immer ganz vorne auf
meinem Schoß sitzen. Ich gehe wirklich gerne zur Arbeit und trotzdem
gibt es Tage an denen es einfach zu viel ist, man kann mit den Kindern
nicht "normal" reden, jedes "Setz dich hin!" muss ein gemeckertes "Setz
dich hin!" sein bzw. mit der Drohung einhergehen sie sonst aus dem Raum
zu schmeißen. Häufig frage ich mich wirklich, was die Kinder damit
erreichen wollen, schließlich ist es für sie doch genauso anstrengend,
immer angemeckert zu werden, wie für mich sie immer anzumeckern. Deshalb
freue ich mich jetzt in die kleinere Gruppe und damit in die etwas
ruhigere Gruppe zu wechseln. Ab Mai ist dann geplant, dass wir uns die
letzten drei Monate die restlichen Bereiche dort angucken, also die
Krankenstation, das Mädchen- und Jungeninternat, die Feldarbeit, die
Verwaltung und eine Woche nur die Nachtwache im Heim machen. Die haben
wir neulich schon einmal mitgemacht, das ist echt richtig süß, wenn die
Kinder abends ins Bette gehen. Und ganz zum Schluss möchte ich dann
trotzdem nochmal mit meinen großen Kiddies arbeiten.
Ansonsten
waren wir am letzten Novemberwochenende wieder einmal in Lomé zum
Weltwärtstreffen, bei dem sowohl einige Weltwärtsfreiwillige, als auch
Germanistikstudenten und einige Schüler vom Goethe-Institut dabei waren.
Das war ganz cool, weil wir Schüler kennengelernt haben, die hier in
Sokodé an das "Lycee Modern" gehen und dort Deutsch lernen. An der
Schule sind über 1700 Schüler und 1200 von ihnen lernen Deutsch. An
einem Mittwochnachmittag haben wir ca. 30 Schüler von ihnen im
"Deutschclub" besucht und uns angeschaut,
wie sie eine Fabel einstudiert haben und zusammen "das fliegende
Klassenzimmer" gesehen. Die Schule wird vom Goethe-Institut unterstützt
und Clemens, der Freund von Lotti, der im Februar kommt, wird dort für
zwei Wochen ein Praktikum machen können.
Außerdem
haben wir bei dem Weltwärtstreffen Camilla, Alina und Jule
kennengelernt, was echt super war, weil die in Lomé Volontäre sind und
zu dritt in einem kleinen Haus - mit Dachterasse! - wohnen. Für die Zeit
konnten also Lotti, Janika, Katha, Lucas und ich mit bei ihnen wohnen,
was echt super war. Wir waren wieder auf dem Grande Marché, am Strand
(sogar im Meer baden, obwohl das wegen des hohen Phosphatanteils nicht
so gesund sein soll), bei deren traditionell togolesischer Tanzstunde,
bei einer traditionell togolesischen Tanzaufführung, im Greenfield essen
und im Club. Da war ich ganze fünf Minuten, weil Lukas Flipflops an
hatte, mit denen man in Togo nicht in Clubs kommt und Lotti, Janika,
Camilla und ich dann weiterhin in der Bar unter dem Club mit ihm saßen
und gequatscht haben, während die anderen oben waren. Und natürlich
haben wir auch sonst viel zusammen gesessen und erzählt, was wir schon
so alles hier erlebt haben. Über Silvester fahren Lotti und ich wieder
hin, um zusammen das neue Jahr zu feiern.
Am
ersten Dezemberwochenende war das "Festeke" ein groß gefeiertes Fest in
Sokodé, bei dem verschiedene Gruppen gegeneinander antreten, die
traditionelle Gesänge aufführen. Diese Gesänge sind kleine Geschichten,
die auf Kotokoli erzählt werden - Lotti und ich haben also nichts
verstanden, aber teilweise hat eine Freundin für uns übersetzt. Die
Gruppe mit der besten Geschichte und dem besten Gesang gewinnt. Abends
waren dann Auftritte außerhalb des Wettbewerbs, eher so in Richtung
togolesische Popmusik. Besonders lustig war, als Lotti und ich beim
Auftritt von einem Freund mit nach vorne sollten. Vor allem, weil er in
seinem Lied zu 90% "Je suis Rasta" (Ich bin Rasta) singt. Das Lied ist
also sehr eingängig.
Parallel zu dem Gesangswettbewerb fand ein Fußballtunier statt, das von dem deutschen
Verein "buntkicktgut" jedes Jahr wieder veranstaltet wird und bei dem
verschiedene Schulen gegeneinander antreten. Das war auch ganz
interessant anzusehen, aber insgesamt ist Fußball einfach nicht so
meins. Die Veranstalter haben sich aber auch unser Projekt angeguckt,
das war ein ganz schöner Nachmittag und über sie würde man auch
innerhalb Deutschlands Kontakt zu Togolesen knüpfen können.
Jetzt
gerade am Wochenende waren Janika und Katha uns besuchen. Wir sind
zusammen nach Tchamba gefahren, um uns dort den großen Sonntagsmarkt
anzugucken, die Beiden haben sich unser Projekt angeguckt, wir haben bei
Wass gegessen, uns bei Monopoly um den Verstand diskutiert und geärgert, haben ganz viel gequatscht und einfach eine richtig schöne Zeit miteinander verbracht!
Dann
waren innerhalb des letzten Monats mein Geburtstag, der von Tata
Nathalie, mit der ich zusammen arbeite, und der von Lotti. Geburtstage
werden hier echt nicht so groß gefeiert, deshalb haben Lotti und ich uns
gegenseitig einen schönen Tag geschenkt, wo wir mittags Essen waren und
auf dem Markt und abends nochmal Essen und was Trinken. Die meisten
Leute hier wussten nicht mal, dass wir Geburtstag haben, meine Gastmama
hat nur gelacht, als sie es mitbekommen hat (sie lacht ja sowieso bei
fast allem, was wir machen) und Michelle (der eine Junge, der hier mit
wohnt) hat mich einen Tag später gefragt, ob ich gestern Geburtstag
gehabt hätte, "Ja!" - ob ich dann nicht ein Geschenk für ihn hätte. Ich
musste ziemlich lachen und habe ihm dann Kaugummis gegeben.
Deshalb
war es aber auch umso erstaunlicher, dass wir zu Nathalies Geburtstag
eingeladen waren. Wir konnten uns im Vorhinein gar nichts darunter
vorstellen und dachten, es wäre eben eine kleine Geburtstagsfeier.
Stattdessen waren Lotti und ich die einzigen Gäste. Sie hat uns zu Hause
abgeholt und dann haben wir mit ihr, ihrem 13-jährigen Sohn und ihrer
20-jährigen Adoptivtochter Nudelsalat gegessen, ferngesehen und
gequatscht. Für sie war der bestimmt ganz schön teuer, aber wirklich
gelungen und für mich auch ganz spannend zu sehen, wie sie wohnt und wie
sie ist, wenn sie nicht elf kleine Kinder um sich rum hat - sehr viel
gelassener.
Und
jetzt, meine Lieben, wünsche ich euch frohe Weihnachten und hoffe, dass
ihr eine schöne Adventszeit verbracht habt! Hier ist es trotz
Adventskalender, Lichterkette, Lebkuchen, Dominosteinen und
Marzipankartoffeln (Was wir hier alles Schönes haben!) nicht allzu
weihnachtlich. Trotzdem freue ich mich auf Weihnachten! Gestern haben
wir angefangen den Garten des Waisenheims zu schmücken und besagte "Cocorapelle" mit den Kindern dekoriert, die Kinder
haben den Zuckerguss abgeleckt, bevor wir die Kekse weiter verzieren
konnten, aber geworden sind sie trotzdem etwas und das Fest am Freitag kann kommen!
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| Mit den Schuelern vom Goethe-Institut beim Weltwaerts-Treffen in Lomé. |
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| Kurz vorm ins Meer rennen. |
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| Beim "Spectacle", der Tanzauffuehrung in Lomé. |
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| Ein kleiner Eindruck von dem Fest. |
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| Der Markt von Tchamba. |
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| Schön schön mit Katha und Lotti. |
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| Mit Janika und Katha bei Wass. |
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| Mit Maceline, Esta und Arle beim Plaetzchen verzieren. |
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| Sind sie nicht schön geworden?! |
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| Heute beim Dekorieren im Heim. |
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